bergbücher

Eis Pole

Der ewige Wettlauf zum Ende der Welt


Reinhold Messner

 

In einer Zeit, in der Atom-Eisbrecher daunenvermummte Touristen für 30 Minuten auf das dünner werdende Eis über dem Nordpol entlassen und Flüge zum Südpol buchbar sind, sind die Dimensionen des Gehens und die unvorstellbaren Herausforderungen und Strapazen der historischen Pioniere in der Öffentlichkeit beinahe in Vergessenheit geraten, die Ideale moderner Polarsportler kaum mehr wahrgenommen. 

Um dem entgegenzuwirken erzählt kein geringerer als Reinhold Messner die große Geschichte der sportlichen Entdeckungen und Höchstleistungen an den Eispolen der Erde. Dem berühmten Bergsteiger und Grenzgänger gelang ja mit der ersten Skidurchquerung Antarktikas 1989/90 selbst eine historische Pionierleistung. Der auch um kritische Zwischentöne nie verlegene Autor spürt dem Sog nach, der Menschen in die ungeheuren Eiswüsten, zum Nord- und Südpol und zum "dritten Pol", den Gipfeln des Himalaya, führt. Messner beschreibt sowohl seine eigene Expeditionshöchstleistung am Südpol und sein Scheitern am Nordpol bereits nach nur wenigen Tagen, wie auch seine letzte Eisreise, eine kommerziell organisierte Unternehmung in Patagonien, deren Initiator und Mitglied er war. Er versteht es daher wie kein anderer, wahre Pionierleistungen und zu Heldentaten aufgebauschte Scharlatanereien zu differenzieren.

Als exzellenter Kenner der klassischen Expeditionsliteratur erschließt Messner in diesem vor Geschichten, Triumphen, Schicksalen und Tragödien strotzenden Buch nicht nur eine ungeheure Materialfülle, sondern erzählt die Unternehmungen, die mit Namen wie Cook, Scott oder Shackleton, Hillary, Buhl, Mallory und hunderten Anderer verbunden sind, in historischen Zusammenhängen. Dabei flechtet er immer wieder gekonnt seine eigenen Erfahrungen ein. Zahlreiche Details ergeben so eine gut lesbare und übersichtliche Chronologie der Polarexpeditionsgeschichte. Dass sich dabei ein kleiner Lapsus eingeschlichen hat, ist nur allzu menschlich und angesichts der Datenfülle zu verschmerzen (im August 2007 wehte nicht die sowjetische Fahne mit Hammer und Sichel am Nordpol - die UdSSR war ja längst Vergangenheit. Damals wurde die russische Trikolore durch ein Tauchboot am Meeresboden des Nordpols aufgepflanzt. Die vermeintliche UdSSR-Fahne des Eisbreches Arktika wurde bereits 1977 am Nordpol gehisst. Sie war aber auch nicht die erste. Erstmals wehten Hammer und Sichel 1937 durch Ivan Papanin in der Nähe des Nordpols).

 

Dem ansprechenden Stil vieler Messner-Bücher folgend lassen auch in "Eis Pole" zahlreiche Zitate aus zeitgenössischen, modernen und Messners eigenen Expeditionsberichten die innere Wirklichkeit von Menschen in Extremsituationen lebendig werden. Überaus aufwändig mit modernen und historischen Bildern und Gemälden in hochwertiger Druckqualität ausgestattet bringt das Werk die jahrhundertealte Faszination aber auch Schrecken des Eises an den Enden der Erde näher, die nach wie vor Hundertschaften anlocken und von Abenteuerlust, Getriebensein, wirtschaftlichen wie wissenschaftlichen Interessen und nationalem Pathos geprägt sind. Ein tolles Buch, das die Grenzräume der Erde spannend und fachkundig in Szene setzt.

BUCHDATEN und VERLAG

Eis Pole

Der ewige Wettlauf zum Ende der Welt
Reinhold Messner
Preis 35,00 € (D)

36,00 € (A)

59,80 sFr
ISBN 978-3-8354-0497-7 
Hardcover mit SU

97 Farbfotos

322 schwarz-weiße Fotos
22,6 x 26,9 cm

252 Seiten
www.blv.de

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